KonoBar Mission Statement (2005)

Dem Zeitgeist täglich den Puls zu fühlen ist eine der interessantesten Facetten des Texterberufes. Man wird dabei zuweilen nachdenklich. Warum, so fragt man sich zum Beispiel, kommen Unternehmen heutzutage exzellent ohne die einst unverzichtbare Firmenphilosophie aus? Und ordern statt dessen beim Texter serienweise "Mission Statements"? Das Wort klingt beunruhigend nach silberhaarig abgeklärten Generälen, die seuzend "die Jungs reinschicken". Und nach Kaugummi kauenden jungen Männern mit Bürstenhaarschnitt und Nussknackerkinn, die gefährlich aussehende Gerätschaften in olivgrüne Segeltuchtaschen verpacken und sich dann in schwarze Helikopter schwingen. Die Kunst des Texters besteht in solchen Fällen darin, geschäftliche Lufthoheit zu vermitteln, ohne die Zivilisten, äh, Konsumenten allzusehr zu verschrecken. Hier das entmilitarisierteste Mission Statement, das mir je gelungen ist. Verfasst habe ich es für ein vom genialen Matthäus Jiszda betreutes kroatisches Lokal auf der Wieden:

 

 

 

Irgendwo in Dalmatien, zehn Schritte vom Meer...

 

Über den Inseln lag ein Licht, so klar, als wären die Fenster zur Welt frisch geputzt.

Es machte die Pinien noch grüner, die Steine noch weisser, das Wasser noch tintenblauer.

 

Ein kleines hölzernes Boot fuhr langsam in den Hafen, mit einem steinalten Mann am Steuer.

Sein Dieselmotor klang, als würde eine müde Hand ein Brett annageln.

Möven kreisten über dem Boot, und daran konnte man sehen, dass der alte Fischer heute Glück gehabt hatte: Oktopus, Garnelen, Goldbrassen...

 

Wir saßen da und sahen zu, auf betagten Sesseln neben dem Eingang des Lokals, über uns ein gelbes Sonnenzelt, und auf dem Tisch der Wein, der unter dieser Sonne wächst.

 

Wir blieben sitzen, bis die Sterne herauskamen, und dann brachte der Wirt auf den Tisch, was der alte Mann gefangen hatte. Später stieß er mit uns auf das Glück an, denn heute war das Meer freundlich gewesen und das Leben gut.

 

Man kann solche Tage nicht mitnehmen, nur leben. Aber als wir aufstanden, wussten wir:

Es ist Zeit, ein Lokal neuer Art nach Wien zu bringen. Eines, in dem man ein wenig von diesem Lebensgefühl genießt. Aber wie sollten wir es nennen? Bar?

Ein bisschen zu wenig. Restaurant? Ein bisschen zu viel.

 

Aber halt! Was stand da in verblichenen Buchstaben über dem Eingang zum Lokal? Konoba. Schwer zu übersetzen, also tun wir´s nicht. Und hängen nur ein einladendes „R“ an, das irgendwie alles sagt: KonoBar.

 

Bleibt nur noch zu sagen: „Willkommen!“