Patientenbroschüre Laborärzte (2006)

 

Ich wusste nicht genau, was Longcopy eigentlich ist, bevor ich ein Gastspiel in einer mittelgroßen deutschen Werbeagentur gegeben habe. Dort hat mich der Creativdirektor mit folgenden Leuten bekannt gemacht: Dem Longcopytexter-Assistenten, dem Longcopytexter, dem Longcopy-Cheftexter, dem Headlinetexter-Assistenten, dem Headlinetexter und dem Headline-Cheftexter. Die Idee war offenbar, dass man mehr oder weniger begabte Neulinge in der Longcopy-Abteilung anfangen lässt. Wenn sie ihre Kokainsucht lange genug kaschieren können, schaffen sie es vielleicht, sich zum Headlinetexter-Assistenten hochzudienen. Oder so. Bedenkend, wieviel Hirnschmalz, Berufserfahrung und Allgemeinwissen man braucht, um gute Longcopy zu schreiben, würde ich eigentlich den umgekehrten Weg vorschlagen. Oder denkt irgendwer im Ernst, ein 22jähriger Longcopy-Assi wäre in der Lage, Arztpatienten fachlich fundiert, aber verständlich zu erklären, was ein medizinisches Labor für sie tun kann? Ich war 45, als ich die folgende Broschüre getextet habe:

 

Titelseite:

 

Befund: Unverzichtbar

Wie Labors den Ärzten heilen helfen.

 

 

Einleitung:

 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

 

mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Ihr Arzt im Zuge der Behandlung oder Untersuchung mindestens einmal sagen: „Da brauchen wir einen Laborbefund!“

Für Sie bedeutet das häufig einen zusätzlichen Weg, wahrscheinlich eine Blutabnahme und vielleicht die Frage: „Wozu ist das eigentlich gut?“

Die Antwort auf diese Frage finden Sie auf den folgenden Seiten: Wir möchten Sie ein bisschen mit der Arbeit und den heutzutage oft erstaunlichen Möglichkeiten medizinischer Labors bekannt machen.

Denn Tatsache ist: Ohne die relativ junge Wissenschaft der Labormedizin und ohne ihren stürmischen Fortschritt wäre die ärztliche Kunst heute keinesfalls so weit entwickelt wie sie ist.

Der Stand der Erkenntnisse und der Technik in medizinischen Labors gewährleistet die frühe, sichere Erkennung von Krankheiten und ihre gezielte Behandlung. Das kann eines Tages auch Ihr Leben retten.

Wenn Ihr Arzt Sie in ein Labor schickt, bedeutet das: Er geht auf Nummer sicher. Und lässt sich mit dem letzten Stand der Technik beim Heilen helfen.Wenn Sie mehr darüber wissen wollen – bitte blättern Sie jetzt um.

 

Spannende und informative Lektüre wünscht

 

Österreichische Gesellschaft für

Laboratoriumsmedizin und klinische Chemie

 

                         

 

Kapitel „Labor wozu?“

 

„Wozu ins Labor? Kann das mein Arzt nicht selber?“

 

„Im Prinzip ja. Aber dann wäre dort, wo Sie jetzt im Wartezimmer sitzen, ein Maschinenraum!“

 

Das ist keine Übertreibung: Ein medizinisches Labor ist ein hoch spezialisierter Arbeitsplatz mit einer von Jahr zu Jahr komplizierter werdenden technischen Ausstattung, die immer feinere, genauere Messresultate liefert.

 

Noch vor einer Generation musste es genügen, ein wenig Chemie ins Blutserum zu mischen, es gegen das Licht zu halten und an der Trübung der Flüssigkeit nach Augenmaß zwischen „gesund“ und „krank“ zu unterscheiden.

 

Heute weisen Maschinen vollautomatisch und mit höchster Präzision das Vorhandensein winzigster Spuren von Stoffen oder Krankheitserregern in einer Probe nach.

 

Und schon bald werden Proben auf spezialisierte Chips aufgetragen und dann per Computer gescannt, um in Minutenschnelle Krankheiten oder Krankheitsrisiken festzustellen.

 

Diese Technik und das damit verbundene Know-How ist bei Spezialisten am besten aufgehoben. Sie arbeiten im Labor und helfen Ihrem Arzt. Damit er Ihnen wirkungsvoller helfen kann.

 



Kapitel „Was können Labors?“

 

„Was weiß ein Labor, was mein Arzt nicht weiß?“

                                  

„Sagen wir es mal so: Wäre Ihr Arzt ein Detektiv,wäre das Labor seine Lupe.“

 

Wenn Sie – nur als Beispiel gesagt – über Monate hinweg immer wieder Kopfschmerzen haben, dann kann das weit über 100 verschiedene Gründe haben. Sie reichen von so banalen Dingen wie einer schlechten Sitzhaltung am Computer bis hin zu gefährlichen, dringend behandlungsbedürftigen Krankheiten.

Ihr Arzt steht vor der Aufgabe, den wahren Grund herauszufinden und zu beseitigen. Er tut das, indem er Schritt für Schritt die Gründe ausschließt, die nicht in Frage kommen: Haben Sie hohen Blutdruck? Nein. Haben Sie ungewöhnlichen Stress am Arbeitsplatz? Nein. Sehen Sie vielleicht schlecht, ohne es zu bemerken? Nein.

Nach einem längeren Gespräch und einer ersten Untersuchung wird erdie möglichen Ursachen ziemlich weit eingeengt haben. Sagen wir, auf drei Möglichkeiten. Ganz sicher kann er nicht sein.

Es wäre erstens Verschwendung und zweitens nicht sehr gut für Sie, würde er Sie auf drei mögliche Krankheiten parallel behandeln.

Deshalb schickt er Sie ins Labor, wo die Krankheitsursachen unter die Lupe genommen werden, die Ihr Arzt für wahrscheinlich hält.

Dieses Verfahren ist zwar für Sie mit etwas Aufwand verbunden. Aber ist die Ursache für Ihre Beschwerden auf Grund der Laborbefunde eindeutig, dann garantiert Ihnen das die richtige und wirkungsvolle Behandlung.

 

 

Kapitel „Die junge Wissenschaft“

 

 

 „Mir kommt vor, früher wurde man nicht so oft ins Labor geschickt. Stimmt das?“

„Sagen wir einfach, früher gab es noch keine Labors!“

 

Die Labormedizin als Fach der medizinischen Wissenschaft gibt es seit 1968. Der erste Universitätslehrstuhl für dieses Fach wurde in Österreich Anfang der Achtzigerjahre eingerichtet. Trotzdem könnte die Labormedizin demnächst ihren 3800sten Geburtstag feiern: Aus dem Wüstensand Mesopotamiens gruben Archäologen Keilschrifttafeln aus der Zeit des Perserkönigs Hammurabi (ca. 1792 - 1750 vor Christus) mit auch heute noch in Medizinerohren einsichtig klingenden Empfehlungen für Harnuntersuchungen!

Die moderne Labormedizin entwickelte sich aus Stationslabors an den internen Abteilungen großer Krankenhäuser und machte vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten Quantensprünge hinsichtlich der Qualität und des Tempos von Untersuchungen.

Die Entwicklung bewegt sich heute im Gleichschritt – und in enger Kooperation – mit der Entwicklung neuer Medikamente: Labors und pharmazeutische Unternehmen entwickeln unter Einsatz von Supercomputern revolutionäre Diagnosemethoden für Volkskrankheiten wie Rheuma – und die passenden Medikamente gleich dazu.

Vielleicht ist es wahr, dass man heute öfter ins Labor muss. Aber sicher ist, dass man es immer schneller mit immer genaueren Befunden wieder verlässt.

 

                                              



Kapitel „Blut“

 

„Blut abnehmen, Blut abnehmen, Blut abnehmen! Muss das sein?“

 

„Es ist ein kleiner Stich für Sie. Aber ein großer Schritt zu Ihrer Gesundung.“

 

Wenn in einem medizinischen Labor zehn Proben untersucht werden, so sind acht davon Blutproben. Das liegt daran, dass die moderne Labormedizin dem Blutbild heute Informationen entlocken kann, von denen noch vor zehn Jahren kein Mediziner zu träumen gewagt hätte.

 

Im übrigen können Sie sicher sein: Ihr Blut wird heute so schonend, sicher und effizient entnommen wie noch nie. Auch in dieser Hinsicht hat es einen qualitativen Quantensprung gegeben. Blutentnahme-Systeme wie die in Österreich hergestellte Vacuette haben die guten, alten wiederverwendbaren Glasbehälter abgelöst, denn nur standardisierte, sterile Verfahren ergeben die hoch reinen Proben, die bei den hochempfindlichen Testverfahren von heute unverfälschte Resultate garantieren.

 

Das so gewonnene Blut wird in einer Zentrifuge geschleudert. Die festen Bestandteile, also die Blutkörperchen werden abgeschieden.

Untersicht wird die Flüssigkeit, das sogenannte Blutserum. Dies mit so empfindlichen Testverfahren, dass man heutzutage am zum Beispiel Blutserum sogenannte Mikro-Herzinfarkte diagnostizieren kann, von denen der Betroffene überhaupt nichts bemerkt hat!

A propos empfindliche Testverfahren: Wussten Sie, dass man heute an Ihrer Blutprobe sieht, ob Sie vor der Abnahme außer Atem ins Labor gelaufen sind oder ein bisschen Zeitung lesend im Wartezimmer gesessen sind? Erfahrene Labormediziner raten Patienten zu einer Viertelstunde Ruhe vor der Blutabnahme. Das macht die Resultate messbar präziser!

 

 

 



Kapitel „Die Zukunft des Labors“

 

 

„Wenn der Fortschritt wirklich so rasend ist – wird man dann in Zukunft überhaupt Ärzte brauchen?“

 

„Autos werden auch immer besser. Und brauchen trotzdem Fahrer.“

 

Tatsächlich ist der Fortschritt atemberaubend. Vor der Tür steht der breite Einsatz von sogenannten diagnostischen Chips: Kleine Kunststoffblättchen mit über 100stecknadelkopfkleinen  Vertiefungen, in denen sich bestimmte Substanzen befinden. Streicht man einen Tropfen Blut über so ein Plättchen und wäscht es dann wieder ab, haften je nach Gesundheits- oder Krankheitszustand an bestimmten Substanzen an. Ein Spezialscanner erkennt automatisch, an welchen.Und das Testresultat steht fest. 

 Solche Chips wird es künftig zur Identifikation aller möglichen Krankheiten geben. Den Arzt werden sie nicht ersetzen können. Sie können seine Arbeit nur immer gezielter, immer präziser und immer schneller ablaufen lassen. Im Interesse der Patienten.     

 

Kapitel „FAQ“ 

 

 „Jetzt hätte ich noch eine Frage....“ 

Es gäbe noch viel über die Arbeit medizinischer Labors zu erzählen. Viel mehr, als in dieser Broschüre Platz hat. Mehr finden Sie auf der Homepage www.heilenhelfen.at. Dort können Sie auch Fragen per e-Mail stellen.
Ein paar der häufigst gestellten beantworten wir hier:

 

„Muss ich unbedingt in das Labor gehen, das mein Arzt empfiehlt? Ich hätte eines gleich ums Eck bei mir!“

Erstens: Grundsätzlich haben Sie bezüglich des Labors die gleiche Wahlfreiheit wie in Sachen Arztwahl.
Zweitens: Wenn Ihr Arzt mit einem bestimmten Labor guten Kontakt und eine solide Gesprächsbasis hat, dann beschleunigt das manchmal den Ablauf. Das kann in Ihrem Interesse sein.

 

„In meinem Befund stehen lauter Abkürzungen und Zahlen. Wer übersetzt mir das?“

In der Tat sind Laborbefunde in einer Fachsprache abgefasst, die für medizinische Laien oft völlig unverständlich ist. Sie haben nur zwei Alternativen: Entweder Sie fragen das Labor. Oder Sie fragen Ihren Arzt.

 
„In meinem Befund steht NEGATIV. Ist das gut oder schlecht?“

 „Negativ“ in einem Befund bedeutet, dass etwas, wonach gesucht wurde, nicht zu entdecken war. Wenn das ein Krankheitserreger war – gut für Sie!

                                  

„Blut abnehmen vertrage ich überhaupt nicht. Kann ich mir das Labor nicht sparen?“

                                   
Leider nein. So wenig wie die Behandlung Ihrer Krankheit. Aber wenn Sie Ihrem Labor mitteilen, dass Sie beim Blutabnehmen Probleme haben, wird man darauf Rücksicht nehmen.